Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los

Wer kennt nicht das Ende aus Goethes “Zauberlehrling”, der den Besen verhext und losschickt, um Wasser vom Fluss zu holen. Doch er vergisst das Zauberwort, um den Besen wieder zu stoppen.

 Die Piratenpartei als Goethes Zauberlehrling? Da sitzen sie nun in dem doch recht stürmischen politischen Gewässer und versuchen gegen den Wind zu segeln. 8,9 Prozent bei den Wahlen in Berlin: ein stattliches Ergebnis. 15 Sitze holten die Piraten im Abgeordnetenhaus bei der Wahl am Sonntag in Berlin. 15 Kandidaten sehen sich ab sofort mit den politischen Untiefen konfrontiert. „Baut keinen Scheiß!“ So die skeptischen Worte aus dem Freundeskreis.

 Hält der Enterhaken nun auch, was ihr Wahlprogramm verspricht oder alles nur Seemannsgarn?

Hürden für Volksbegehren senken, Bezirke stärken, Fünfprozenthürde für den Einzug ins Abgeordnetenhaus auf drei Prozent senken, Nicht-EU-Ausländerwahlen auf Bezirksebene, freier Netzzugang in  Berlin über Hotspots,  Ausschreibungen und Verträge des Landes öffentlich in der Verhandlungsphase, abgeschlossene Verträge neu verhandeln, mindestens eine Lehrkraft für 15 Schüler, Abschaffung der Regelstudienzeit an Berliner Hochschulen, Fahrten im Nahverkehr sollen kostenlos sein.

Nicht schlecht für den Anfang. Doch wie geht es weiter? „Man müsse und werde viel lernen“, so die Aussage eines Piraten, der wohl nur erahnen kann, was er am Haken hat, oder sollte ich besser sagen, wer ihn am Haken hat? Das Leben werde nun strukturierter.  Also doch mit dem Wind….? Lebensgefühl Internet versus Erfahrung, Kompetenz, Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit? Muss nicht sein, wie ich finde. Frischer Wind bringt auch Lerneffekte in die eigenen Reihen.

Doch so erfrischend die Piraten in ihrer Unbedarftheit, Naivität und so sympathisch sie in ihrem, mit Verlaub, leicht chaotischen Auftritt rüberkommen – der noch so begeisterte Pirat und Enterer ist der Flaute ausgesetzt, wenn er sich nicht ins „Zeug“ legt. Lassen wir uns überraschen, ob sich die Wähler auch langfristig als Beute der Piraten sehen oder sich doch nicht vom Seemannsgarn einwickeln lassen. Eines ist gewiss, der Unterhaltungswert im manchmal recht trockenen „Element“ Politik ist für die nächste Zeit gesichert.

Mast und Schotbruch und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Ihr

Dirk Toepffer