Europa schwächelt, Deutschland lächelt

Rosig sieht es nicht überall aus: ein Teil der europäischen Länder leidet an der im jeweils eigenen Land vorherrschenden schlechten Wirtschaftslage und/oder macht sich Sorgen um die Finanzen. Ob Griechenland, Spanien, Italien, Portugal oder Irland – wenige bleiben vom „Sorgenblick“ verschont, mittlerweile sind besonders die spanischen Banken in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt.

Zwar sollen laut Aussagen die größten Geldinstitute über genügend Kapital verfügen, doch die kleineren Banken kommen beachtlich ins Schwitzen. Der Finanzkollaps steht vor der Tür, doch momentan ist diese noch geschlossen. Wird sie stabil genug sein? Im stillen Kämmerlein wird über Bankenhilfe diskutiert – die Angst Spaniens vor scharfen Auflagen hemmt die Entscheidungsfreudigkeit deutlich. Dennoch: Madrid muss Nägel mit Köpfen machen, die Zeit wird knapp. Was bleibt da anderes übrig, als um Hilfe zu bitten und dabei zu versuchen, Bedingungen so gering wie möglich zu halten. Ein kleiner Trost: bis die Spanier mit den Griechen verglichen werden können, muss noch viel passieren, aber rückläufig wird man hoffentlich nicht denken.

Wir kennen es bereits aus der Griechenland-Misere: tanzt ein Euro-Land aus der Reihe, tanzen gleich alle mit – ungewollt. Aber das sind meist keine Freudentänze. Man kann es als Solidaritätsprinzip bezeichnen, wobei der Absturz eines Landes auch wohl oder übel die restlichen Staaten mit runterziehen kann, welche krampfhaft bemüht sind, ihren „Partner“ aus der Abwärtsspirale zu befreien. Momentan befindet sich die europäische Konjunktur noch in keiner Phase der Rezession und auch das hat wieder mit der Staatengemeinschaft zu tun. Manche können mehr, manche weniger zu einer akzeptablen Gesamt-Wirtschaftslage beitragen. Zur Zeit ist Deutschland die tragende Kraft, welche die Wirtschaft auf europäischer Ebene vor dem Abschwung bewahrt. Und noch ein Gutes: Deutschland an sich bekommt sogar leichten Aufwind. Nicht zuletzt tragen die guten Exportzahlen dazu bei, dass unser Land Gewinne abwirft und zusätzlich das europäische Wirtschaftsklima durch akzeptable Nachfrage auf einem noch relativ stabilen Level hält.

Doch ein Negatives hat die deutsche Hochphase wohl: Deutschland soll haften und das für „marode“ Banken und Staatsschulden anderer. Schön zu wissen, dass Vertrauen entgegengebracht wird, aber nur weil ein Großteil der Lasten und Hilfspakete – und hier soll insbesondere auch an Griechenland erinnert werden – von Deutschland getragen wird, kann nicht das ganze Paket an Verantwortung an einen Staat übertragen werden. Wenn es schlecht läuft, geht dieses „Projekt“ nach hinten los und dann ist die Panik groß. Die deutschen Sparer_innen würden sicherlich begeistert sein.

Wir können also soweit zufrieden sein, denn verglichen mit anderen EU-Staaten sind die Sorgen in Deutschland gering. Auf dem Arbeitsmarkt sieht es gut aus, die Beschäftigtenzahlen geben Anlass zu weniger Anspannung. Die Kauffreudigkeit steigt wieder, der Wirtschaftssektor wird ordentlich angekurbelt und die Banken können einmal durchatmen. Die deutsche Wirtschaft ist zäh und zeigt Widerstandskraft. Hoffen wir, dass sich Deutschland auch weiterhin nicht von dem bescheidenen Wirtschaftsklima, sowie der fortwährenden „Euro-Schwierigkeiten“ in Europa beeindrucken lässt.

Ihr

Dirk Toepffer