Festival der Philosophie
Mensch-Natur-Technik. Unter diesem Expo-Motto wurde das diesjährige Festival der Philosophie vom 08.bis 11. April 2010 veranstaltet. In Bezug auf Philosophie klang dieser Leitgedanke für mich etwas allgemein. Mir widerstrebte die ebenbürtige Darstellung des Menschen mit der Technik in der Überschrift „Mensch-Natur-Technik“, weil der Mensch nicht im Zentrum des Geschehens stand, der Mensch unfrei und einer Maschinerie unterworfen wirkte.
So löste das Motto diesen Gedankenprozess in mir aus. Der eine Vortrag, den ich besuchte, handelte von der Austauschbarkeit des Menschen, die mit der Mechanisierung der Welt parallel zur Aufklärung einherging. Der Mensch werde seit dieser Zeit mit der Technik gleichgestellt. Er könne keine komplexen Aufgaben mehr lösen, da er nicht mehr wisse, wie der Gesamtprozess ablaufe.
Ein herkömmlicher Fleischer wisse, wie ein Tier zerlegt werde. In den USA werde ein Tier in 24 Schritten mit 24 Arbeitern zerlegt, die nur den eigenen Vorgang, aber nicht die Vorgänge der anderen wüssten. Der Mensch ist also Sklave des eigenen, von ihm selbst erfundenen Werkzeugs. Auf der anderen Seite dient Technik vielen Menschen. Mit Prothesen beispielsweise können viele Menschen Dasein und ein selbstbestimmtes Leben führen. Das zeigt aber auch die Paradoxie, in der wir leben.
Gibt es die Willensfreiheit? Auf einer Podiumsdiskussion diskutierten Experten über die Willensfreiheit aus neurobiologischer, philosophischer und juristischer Sicht. Viele Philosophen bejahen.
Einige Neurobiologen verneinen. Folgt man dieser Verneinung, stellt sich aus juristischer Sicht dann die Frage, wie ein Täter zur Verantwortung gezogen werden kann, wenn ihm die Willensfreiheit fehlt. Wie der Publikumsliebling Richard David Precht auf dem Festival sagte, das Gehirn ist noch nicht wirklich erforscht, daher die Willensfreiheit aus neurobiologischer Sicht zurzeit nicht zu beantworten.
Fazit: Philosophie gibt es in der Öffentlichkeit in Form von Büchern, Fernseh- und Radiosendungen sowie Magazinen. Orte, wo Philosophie nach außen getragen wird, sind eine kulturelle Wiedergeburt und für unsere heutige Zeit etwas Besonderes. Das Festival beinhaltete anregende Vorträge und wissenschaftliche Besprechungen von Experten. Die Präsentation der vielseitigen Perspektiven machte dieses Festival zum kulturellen Ereignis.
Ihr
Dirk Toepffer