Kruzifix Teil II
Die einen sind für das Kruzifix im öffentlichen Raum, die anderen nicht: Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinde von Niedersachsen, ist dagegen. Deshalb ließ das Niedersächsische Justizministerium eine Kruzifixzählung in den Gerichtssälen durchführen. Die Stimmen der Befürworter des Kruzifixes ist alle Jahre wieder Bestandteil der gesellschaftlichen und politischen Diskussion. Der Streit spaltet mehr als das er verbindet.
Was ist schlecht daran sich in unserer Ellenbogengesellschaft auf zeitlose christliche, islamische und jüdische Werte zu besinnen und eine mögliche Orientierungshilfe zu bieten? Religiöse Symbole bedeuten Rückbindung an eine höhere moralische Instanz. Sie erinnern an Schuld und Vergebung und können zum Beispiel an das Gewissen des Angeklagten appellieren sich kritisch mit seiner Situation auseinanderzusetzen und ihm Zuversicht und Vertrauen schenken. Jeder Mensch braucht Halt. Diesen kann er vielleicht in einem religiösen Symbol auch in einem Gerichtssaal finden. Die Diskussion drängt zunehmend Werte zurück. Hierin liegt die Gefahr, in einer wertelosen Gesellschaft geprägt mit Gleichgültigkeit im Umgang mit anderen Menschen zu münden. Niemand kann die Wahrheit für sich beanspruchen, doch können neben den rechtlich geregelten Werten religiöse Werte ein Signal der Toleranz und Respekt sein, was im Leben des Einzelnen und der Gesellschaft wertvoll ist, und den Zusammenhalt der Gemeinschaft in ihrem Bestand fördern.
Deshalb brauchen wir mehr religiöse Symbole und zwar aller Glaubensgemeinschaften in öffentlichen Eichrichtungen, um die religiöse Vielfalt unserer Gesellschaft widerzuspiegeln. Vielleicht sehen dann viele Personen „im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“ wie es in der Präambel des Grundgesetzes heißt, wie viel Gemeinsamkeiten die christliche, jüdische und islamische Religion haben. Eine Kruzifixzählung hilft aber niemandem.
Ihr
Dirk Toepffer