Piratenpartei – und radikale Veränderungen folgen?!

Klein, aber oho – so könnte man wohl die noch überschaubare Piratenpartei bezeichnen. Beinahe aus dem Nichts entstanden – in den unübersichtlichen Tiefen des Internets – wird nun schon über ihren Einfluss gesprochen, welchen sie unter Umständen mit ihren Forderungen, insbesondere auf die Wirtschaft, haben könnte. Und einige Zweige davon könnten in der Tat negativ belastet werden. Moderner, bürgernäher, im Durchschnitt jung und noch sehr unerfahren – das zeichnet die Piraten aus. Entern wollen sie erst einmal Landtage. Politische Akzeptanz, das ist ihr Ziel. Ignorieren kann die Piraten niemand mehr, im Gegenteil, vielleicht sollte man sie besser ernst nehmen, denn bezüglich ihrer Mitgliederzahlen ist die Tendenz steigend. Im Saarland haben sie bereits das Wort erteilt bekommen – ein Freudenfest für die alternativen Bürgerrechtler, denn nun gibt es Hoffnung, dass auch gewisse Forderungen ihrerseits durchgesetzt werden können.

„Gewisse“ – teilweise gute, frische Ideen, doch könnte ein Teil davon auch niederschmetternd für bestimmte Wirtschaftszweige sein. Künstlerische Freiheit, uneingeschränkter Zugang zu Wissen und Kultur und Lockerung des Urheberrechts – besondere Anspielung auf die Nutzung des Internets – scheinen klar formulierte Punkte, doch genau hier ist der Knackpunkt: informationelle Selbstbestimmung – prinzipiell nicht schlecht, doch was ist dann mit dem Verlagswesen, der Film-, sowie der Musikindustrie? Ist der Zugriff auf alles frei, so würden die genannten Branchen keinen Gewinn mehr machen, es ginge rapide bergab und niemand bräuchte sie mehr. Denn wieso sollte man Geld für etwas ausgeben, was man sowieso umsonst bekommen kann?! Sollten diese Branchen wegfallen, wird es Einbußen von Milliarden geben.
Keine Frage, kontrovers diskutiert wird wohl jedes Parteiprogramm, aber die Piraten polarisieren und heizen mit ganz neuen Vorstellungen und Vorhaben die gesellschaftliche Diskussion an. Nicht nur bestimmte Wirtschaftszweige würden einen herben Schlag erleiden, auch die Künstler, seien es Musiker, Filmproduzenten etc., haben kein Recht mehr, ihre Werke „ihre“ zu nennen. Komisch?! – und irgendwie auch nicht nachvollziehbar, weshalb sie quasi „enteignet“ werden sollten. Es ist ja schließlich ihr Schaffen.
Unser Wirtschaftssystem ist die soziale Marktwirtschaft. Es herrscht zwar Wettbewerb zwischen den Unternehmen, was bedeutet, dass nicht jeder Betrieb gleiche Gewinne erzielen kann, aber genau dieser Wettbewerb treibt Technologie voran, bringt Innovation und konzentriert sich auf ein bestmögliches Angebot für Kunden, wodurch das Ansehen der deutschen Wirtschaft auch international deutlich gesteigert wird. Der Besitz von privatem Eigentum kommt zwangsläufig hinzu – von einem Großteil der Menschen im Laufe der Jahre erarbeitet. Doch das soll nun ein Angriffspunkt sein?
Die Piratenpartei hat ihre Segel gehisst und schippert munter auf die politische Debatte zu. Es dürfte spannend bleiben, denn durch Forderungen seitens der Piraten könnten Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowohl positiv, als auch negativ verändert werden – doch auch das liegt wohl immer noch im Auge des Betrachters.
Ihr
Dirk Toepffer