Reedereien – und „Grün“ trifft auch die Seekolosse

Ökonomie und Ökologie vereinen – mittlerweile sollte das jeder verstanden haben, die oberste Prämisse der Gegenwart und auch der Zukunft. Luft, Straßen, Meere – alles soll sauberer werden und getan wird viel für die Umwelt. Im Fokus steht das CO2, doch bei der Schifffahrt tritt auch das gesundheitsschädliche Schwefeldioxid in den Vordergrund. Die Reeder haben sich entschieden: auch sie wollen selbstverständlich mitmachen, auf den „Öko-Zug“ aufspringen. Doch voreilige Schritte sollten nicht unternommen werden. Frage: was ist nun voreilig? Dass das Schwefeldioxid nicht von heute auf morgen aus dem Treibstoff der Seeriesen verschwinden kann, das ist klar. Aber der Weg ist das Ziel: eine kontinuierliche Reduktion des Stoffes sollte natürlich vorgenommen werden und ehrgeizige Ziele schaden nicht.

Saubererer Treibstoff oder Schwefelstoffe deutlich verringern und das ab 2015, so lautet der Beschluss der EU. Insbesondere für Schiffe in Nord- und Ostsee soll sich dann der Schwefeldioxidwert im Treibstoff auf nicht mehr als 0,1% belaufen – eine zehnfache Verschärfung – in weniger empfindlichere Gebieten kann der Anteil prozentual gesehen geringfügig höher sein. 1 Prozent Schwefeldioxid im Treibstoff: dies ist momentan schon der weltweit niedrigste Wert, er gilt in dem stark befahrenen Nord-Ostsee-Gebiet. Zudem soll es in der ganzen Europäischen Union einheitliche Auflagen geben, da sich Reedereien durch die regionalen Auflagen im internationalen Wettbewerb benachteiligt fühlen – obwohl sie auf der grünen Welle ganz oben schwimme. Sicherlich sind klar formulierte, einheitlich geltende Auflagen sinnvoll, wenn nicht sofort weltweit, dann zumindest erst einmal auf europäischer Ebene. Dennoch: Wettbewerb sollte auf einer Ebene stattfinden und jeder dieselben Chancen haben. Bislang liegt der zulässige Schwefelgehalt für Schiffstreibstoff bei 3,5 Prozent – die internationale Schifffahrtsorganisation hat eine erste Entscheidung getroffen.
Die Umstellung wir höchstwahrscheinlich technische Veränderungen mit sich bringen – und somit auch die Kosten erhöhen. Motto: das eine soll, das andere muss. Die Investitionen in umweltfreundlichere Schiffe tut aber eventuell weniger weh, wenn man den Aspekt des Wettbewerbes mit ins Spiel bringt. Konkurrenz LKW – Binnenschiff?! Ausgeschlossen ist dies nicht, so gesehen ist der Wettbewerb um den „besseren“ Transportweg schon in vollem Gange. Vorteile der LKWs: der Schwefeldioxidausstoß ist verschwindend gering, der CO2-Ausstoß dafür umso höher – höher als der der Binnenschiffe. Diese werden in Zukunft wohl von größerer Wichtigkeit sein, insbesondere wenn es um die Entlastung der Straßen, des Verkehrs, geht. Des Weiteren sind die Seekolosse wesentlich effizienter: sie können pro Strecke mehr Güter transportieren und der Treibstoff ist – verglichen mit dem LKW-Diesel – bis um die Hälfte günstiger.
Nichtsdestotrotz wird auch der Straßenverkehr sauberer, die Reedereien sollten sich also nicht zurücklehnen. „Umrüsten“, lautet die Devise. Die Früchte wird man schnell bekommen. Je flinker desto besser: mehr Grün, mehr Umsatz – und auch im internationalen Wettbewerb kann dann ganz vorne mitgemischt werden, denn früher oder später werden aus regionalen Auflagen konkrete internationale Auflagen.
Ihr
Dirk Toepffer