Sackgasse Tempo 40

Gesunde Lebensbedingungen erfordern zweifelsfrei ein umweltgerechtes Handeln. Darüber sind wir uns alle einig. Hannover braucht dafür aber eine innovative Umweltpolitik und keine umweltpolitische Utopie.

Zuerst drängte uns die Stadt Hannover die auch unter den Experten umstrittene Umweltzone auf, die bisher die erhoffte Wirkung der Schadstoffreduzierungen kaum erzielte. Und jetzt will man uns ohne Wenn und Aber Tempo 40 diktieren. Prinzipiell ist das zwar ein gut gemeinter Ansatz. Ohne eine intelligente Ampelschaltung besteht jedoch das Risiko, dass sich der Verkehr auf Ausweichstraßen verlagern wird, um einem möglichen Stau zu entkommen, sodass der erwünschte Erfolg an Abgas- und Lärmreduzierung mit großer Wahrscheinlichkeit ausbleiben wird. Ziel muss es daher sein, das Problem weitsichtig zu lösen und eine vermeintliche Sackgasse zu vermeiden.
Eine überlegte, vernünftige und zukunftsfähige Umweltpolitik ist durchaus machbar. Als Beispiel möchte ich das Entwicklungs- und Forschungsprojekt „Travolution“ – Grüne Welle für Ingolstadt anführen. Eine Software optimierte im ersten Schritt online an 46 Ampeln an Hauptverkehrsadern das gesamte Ampelnetzwerk. Im zweiten Schritt des Projekts wurde dem Autofahrer angezeigt, welche Geschwindigkeit einzuhalten ist, damit er die nächste Kreuzung ohne Halt überqueren kann. Das minderte den Benzinverbrauch und die Haltezeiten an Ampeln um etwa 17 Prozent und reduzierte die Reisezeit um 21 Prozent. Hochgerechnet wurde, dass mit dem Projekt geschätzte 1.600 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. „Travolution“ belegt, dass sich eine intelligente Optimierung von Ampelschaltungen lohnt. Ingolstadt wurde im Übrigen für das Verkehrskonzept „Travolution“ zum „Ausgewählten Ort“ im „Land der Ideen“ gekürt.

So eine Verkehrs- und Umweltpolitik wäre auch für Hannover wünschenswert. Das wäre vielleicht auch eine sinnvolle Alternative zu unserer Umweltzone.

Ihr

Dirk Toepffer