Zukunft der City

Ich bin Hannoveraner. Hannover ist meine Heimatstadt. Ich merke an meiner tiefen Zuneigung wie tief verwurzelt ich hier bin. Von außen wird die Stadt oft als mittelmäßig, langweilig, bedeutungslos, öde oder sogar als schwermütig bezeichnet. Häufig höre ich auch, dass es an ausgefallener Bekleidung in Hannover fehle. Überall, wo man reingehe, sei es vom Kleidungsstil sehr ähnlich. In Essen zum Beispiel sei das anders. Oder: Es gebe kaum Ausgehmöglichkeiten für ab 35 Jährige. Das ärgert mich manchmal, weil Hannover viel zu bieten hat. Manches Mal setze ich mich mit diesen Attributen kritisch auseinander und frage mich, was verbesserungswürdig ist.

Wir könnten als Cebit – Gastgeber unsere Erscheinung mehr auf das jeweilige Partnerland fokussieren. In diesem Jahr war Spanien Partnerland. Nirgendwo in Hannover hing eine spanische Fahne, nirgends waren spanische Bilder sichtbar. Das ist schade, dass wir uns scheinbar nicht zu unserer Stadt als Verkehrs- und Wirtschaftsstandort bekennen. Fehlt uns das Selbstbewusstsein? Mangelt es an Identifikationsmöglichkeiten in unserer Stadt?

Der Wettbewerb Hannover City 2020 ist eine Option, die Identität der Stadt und die Identifizierung der Stadtgesellschaft mit ihrer Stadt zu erhöhen. Den Vorschlag, den Jazzclub in die City zu verlegen, ist lobenswert, wenn er denn realisiert wird. Doch ist das Projekt City 2020 auch zu zögerlich. Es ist fern von Visionen und Dimensionen. Mit Zeitaufwand wird ein Wettbewerb geplant, um dann beispielsweise der Leineinsel eine Absage zu erteilen. Klar, die Kassen sind leer. Die Leineinsel wegen der schlechten Finanzlage zunächst nicht wieder zu beleben, ist richtig. Aber das Vorhaben völlig aufzugeben, bleibt für mich schwer nachvollziehbar. Die Frauenkirche in Dresden wurde mitunter 11 Jahre lang Stück für Stück aufgebaut. Im Vorfeld wusste keiner wie der Wiederaufbau finanziert werden sollte, trotzdem haben die Dresdener nicht aufgegeben. Und Hannover? Wo sind die Ideen für das Expo-Gelände oder das Ihme – Zentrum? Es fehlt Spirit und Bewegung. Hannover wird verwaltet und nicht gestaltet.

Verzicht auf Einzigartigkeit unter dem Motto „Realismus“ bedeutet Verzicht auf Charme und ergibt Unterdrückung der Identität Hannovers, die in Beliebigkeit mündet, die zu perspektivlosen Strukturen führt, auf die wir verzichten könnten.

Ich wünsche mir, dass mit dem Projekt Hannover City 2020 mehr Akzente in Hannover gesetzt werden, die die Identität Hannovers zulässt und unterstreicht. Nur dann können wir Hannoveraner ein starkes Selbstbewusstsein entwickeln.

Ihr

Dirk Toepffer